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Immer mehr Sachsen pendeln über die Landesgrenzen

Wer zur Arbeit pendeln muss, riskiert langfristig eine höhere gesundheitliche Belastung. Dennoch steigt die Zahl der Menschen, die Sachsen für den Job verlassen. Foto: Adobestock

Die Zahl der sogenannten Auspendler ist so hoch wie seit 25 Jahren nicht. Das verschärft das Fachkräfteproblem im Freistaat – und kann langfristig ungesund sein.

Ob mit dem eigenen Auto, in der Fahrgemeinschaft oder mit Bus beziehungsweise Bahn – viele Sachsen müssen zu ihrem Arbeitsort pendeln. Und: Immer mehr von ihnen haben dabei durchaus weite Strecken zu bewältigen, denn die Zahl der Auspendler, also der Menschen, die für den Job das Bundesland verlassen, steigt. Mit 160.000 Männern und Frauen lag sie im vergangenen Jahr so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr, konstatiert die Arbeitsagentur Sachsen in einer aktuellen Auswertung. Die zeigt auch, dass die Zahl der Einpendler nach Sachsen deutlich niedriger ist als die der Auspendler.

Mit Blick auf den Fachkräftebedarf ist das durchaus problematisch. „Aktuell verliert der Freistaat Sachsen durch das Pendeln über 15.000 Arbeitskräfte. Das können wir uns mit dem Blick auf die hohen Fachkräftebedarfe nicht mehr leisten. Um Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten, sind Arbeitgeber gut beraten, wenn sie sich attraktiv aufstellen. Sicherlich spielt hier die Vergütung eine entscheidende Rolle, aber auch das Image des Unternehmens, betriebliche Weiterbildungsangebote oder flexible Arbeitszeitmodelle werden in Entscheidungsprozesse der Menschen zunehmend eingebunden“, sagt Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. Die meisten Auspendler zieht es aus Sachsen nach Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Nordrhein-Westfalen.  Der größte Teil der Einpendler kommt derweil aus Sachsen-Anhalt, dem Ausland, Thüringen, Brandenburg und Bayern.

Mehr Geld und bessere Karrierechancen locken

Ein höherer Verdienst und bessere Aufstiegschancen sind die am häufigsten genannten Gründe, Sachsen beruflich zu verlassen. Bei der Arbeitsagentur verweist man indes darauf, dass gerade der finanzielle Vorteil am Ende oft gar nicht so groß ausfalle. Schließlich müssen „zusätzliche Kosten für die doppelte Haushaltsführung, für Pendelfahrten zwischen Wohnort und Arbeitsort, für die Unterhaltung des Pkw“ eingepreist werden.

Dazu kommt der Zeitverlust – wer jede Woche viele Stunden unterwegs ist, muss Abstriche beim Familien- und Sozialleben, bei Hobbys und Erholung machen. Studien zeigen außerdem: Pendler sind anfälliger für psychische Beschwerden, haben mehr Fehltage als Menschen mit kurzem Arbeitsweg. Sie schlafen oft schlechter, leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder hohem Blutdruck. Über einen begrenzten Zeitraum kann die – auch längere Fahrt – zum Arbeitsort durchaus funktional sein, etwa weil man Umzugskosten spart oder wenn zum Beispiel im Fall einer befristeten Anstellung nicht sicher ist, ob der Job nicht ein kurzes Intermezzo bleibt. Ist die Stelle dauerhaft angelegt und der Arbeitnehmer hat Spaß an seinem Job, empfehlen Experten aber, über einen Umzug nachzudenken – auch der Gesundheit wegen.

Wer zurück in die sächsische Heimat möchte, findet bei den sächsischen Arbeitsagenturen und regionalen Rückkehrer-Initiativen Beratung.

Von Annett Kschieschan

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