Präsentismus: Folgen, Kosten und Risiken für Arbeitgeber
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Wenn Beschäftigte trotz Krankheit an ihren Arbeitsplatz kommen und arbeiten, spricht die Arbeitsmedizin von Präsentismus. Dieses Verhalten wirkt auf den ersten Blick wie ein Zeichen hoher Loyalität. In Wahrheit stellt das Phänomen jedoch ein erhebliches Risiko für jedes Unternehmen dar. Während Absentismus durch messbare Fehlzeiten auffällt, bleibt Präsentismus oft unbemerkt. Das Arbeiten im Krankheitsfall verursacht jedoch langfristig gravierende Schäden für Angestellte und den gesamten Betrieb, die den Absentismus in den Schatten stellen.
Was genau ist Präsentismus?
Präsentismus beschreibt das Phänomen, dass Mitarbeiter trotz körperlicher oder psychischer Erkrankungen im Betrieb erscheinen und arbeiten. Anders als beim Absentismus, bei dem der Arbeitnehmer dem Arbeitsplatz krankheitsbedingt fernbleibt, versuchen Beschäftigte trotz gesundheitlicher Einschränkungen, ihre Aufgaben zu erfüllen.
Die Gründe für das Erscheinen in der Arbeit trotz Krankheit sind vielfältig. Einige Mitarbeiter befürchten den Arbeitsplatzverlust oder anderweitige negative Konsequenzen durch Fehlzeiten. Andere wiederum wollen die Überlastung ihrer Kollegen vermeiden, die im Krankheitsfall die Aufgaben zusätzlich übernehmen müssten. Auch ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl gegenüber dem Arbeitgeber oder einzelnen Projekten kann den Präsentismus begünstigen, wodurch die Gesundheit des Einzelnen nicht selten hintenangestellt wird.
Wissenswert: Eine prägnante BAuA-Studie (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) belegt, dass ein Großteil der Arbeitnehmer mindestens einmal pro Jahr krank zur Arbeit erscheint.
Die häufigsten Gründe für Präsentismus
Die Gründe für das Verhalten von Beschäftigten, die trotz Krankheit zur Arbeit gehen, sind vielfältig. Oft herrscht am Arbeitsplatz ein hoher Arbeits- und Termindruck, der von zu wenigen Mitarbeitern abgefangen wird. Wenn zudem eine Unternehmenskultur gelebt wird, die die Anwesenheit über die Gesundheit des Einzelnen stellt, tritt bei Betroffenen schnell eine Jobunsicherheit auf. Einige Angestellte hegen zudem eine hohe Bindung zum Arbeitgeber und wollen besonders durch das Erscheinen bei Krankheit ihre Treue beweisen und proaktiv auf eine mögliche Gehaltserhöhung zusteuern.
Aus Studien geht hervor, dass besonders motivierte oder auch zufriedene Angestellte häufiger krank arbeiten gehen, weil sie sich unersetzlich fühlen oder schlichtweg ihre Pflicht erfüllen wollen. Doch das Arbeiten im Krankheitsfall hält sowohl für Beschäftigte als auch für Unternehmen drastische Konsequenzen bereit.
Welche Folgen hat Präsentismus für Ihre Mitarbeiter?
Wer trotz Krankheit arbeitet, gefährdet seine Gesundheit nachhaltig. Aus leichten Symptomen entwickeln sich ohne ausreichende Erholung schnell chronische Erkrankungen. Die Folgen von Präsentismus für Beschäftigte sind gravierend. Sie können einen Infekt verschleppen, wodurch massive Herz-Kreislauf-Probleme oder auch eine dauerhafte Erschöpfung drohen. Auch psychische Belastungen durch den ständigen Druck führen nicht selten zu Stress oder Burn-out. Und durch das Erscheinen am Arbeitsplatz bei Krankheit werden die Kollegen direkt mitgefährdet, da Beschäftigte bei einem Infekt nicht selten andere Mitarbeiter anstecken. Zur Folge hat das, dass die bereits erkrankten Mitarbeiter am Ende womöglich einer noch höheren Arbeitslast ausgeliefert sind, da die angesteckten Kollegen zu Hause bleiben, statt zu arbeiten.
Durch das Absinken der physischen sowie mentalen Leistungsfähigkeit mindert sich nicht nur das Wohlbefinden der Arbeitnehmer. Zeitgleich steigt durch Präsentismus die Fehlerquote bei täglichen Aufgaben am Arbeitsplatz. Es tritt ein Produktivitätsverlust ein, der nicht nur Angestellte überfordern, sondern auch dem Unternehmen vehement Schaden zufügen kann.
Welche Risiken und Kosten entstehen für Ihr Unternehmen?
Die finanziellen Folgen von Präsentismus übersteigen die Kosten klassischer Fehlzeiten um ein Vielfaches. Ein kranker Mitarbeiter erbringt nur einen Teil seiner normalen Leistung in der Arbeit, was zu einem schleichenden Produktivitätsverlust im Betrieb führt.
Für Betriebe existieren gleich mehrere Risikofaktoren im Fall des Präsentismus: Neben dem Produktivitätsverlust drohen Folgeerkrankungen, Fehler und Unfälle sowie regelrechte Ansteckungswellen. Beim Verlust der Produktivität sinkt die Arbeitsqualität im Betrieb und Projekte verzögern sich. Zudem begünstigt der Präsentismus einen langfristigen Absentismus und einen monatelangen Ausfall der Beschäftigten. Die Unkonzentriertheit am Arbeitsplatz steigert außerdem die Fehlerrate und das Unfallrisiko, und durch einen kranken Mitarbeiter droht das Risiko, dass durch Ansteckungswellen ganze Teams gleichzeitig ausfallen, die am Ende nicht mehr arbeiten können.
Wichtig: Jede aktuelle Studie zum Thema bestätigt: Präsentismus verursacht immensen wirtschaftlichen Schaden durch verminderte Effizienz und spätere, langwierige Erkrankungen der Beschäftigten.
Welche Maßnahmen können Sie als Arbeitgeber ergreifen?
Als Arbeitgeber tragen Sie die Verantwortung für eine gesunde Arbeitskultur. Sie verhindern Präsentismus wirksam durch gezielte betriebliche Maßnahmen. Dazu gehört, dass auch Sie im Krankheitsfall konsequent zu Hause bleiben. Führungskräfte nehmen eine Vorbildfunktion im Unternehmen ein, an der sich Mitarbeiter nicht selten orientieren.
Eine weitere sinnvolle Maßnahme gegen Präsentismus ist das betriebliche Gesundheitsmanagement. Dadurch fördern Sie Ihre Mitarbeiter als Arbeitgeber aktiv. Obendrein können Sie durch eine offene Kommunikation mit Ihren Mitarbeitern den Druck spürbar senken. Signalisieren Sie, dass die Erholung im Krankheitsfall essenziell ist – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Beschäftigten selbst. Bauen Sie gezielt Hürden ab und machen Sie unter anderem psychische Belastungen zu einem ansprechbaren Thema in der Arbeit. Weiterhin können Sie die Arbeitslast in Ihrer Firma prüfen und nach Bedarf senken.
Tipp: Flexiblere Arbeitszeitmodelle unterstützen Angestellte dabei, flexibel auf Krankheiten zu reagieren und sich Auszeiten zur vollständigen Genesung zu nehmen. Auch hier entstehen für Unternehmen und Mitarbeiter wertvolle Chancen gegen Präsentismus und für effizientes Arbeiten.
Durch eine gesunde Unternehmenskultur senken Sie Fehlzeiten, vermeiden unschöne Überlastungen und schützen Ihre Mitarbeiter vor langzeitlichen gesundheitlichen Schäden. Eine arbeitsmedizinische Beratung hilft Ihnen zusätzlich dabei, belastende Faktoren im Betrieb zu identifizieren und zu beseitigen. So können Ihre Mitarbeiter gesund und glücklich arbeiten, aber auch ohne Sorge zu Hause bleiben, wenn sie krank sind. Eine BAuA-Studie und weitere Untersuchungen bestätigen, dass Unternehmen mit einer starken Gesundheitskultur deutlich weniger Präsentismus und damit geringere Fehlzeiten und Produktivitätsverluste verzeichnen.
Fazit: Gesundheit schützt Ihr Unternehmen
Präsentismus ist kein Zeichen von Engagement, sondern ein Risiko für Ihre Mitarbeiter und Ihr Unternehmen. Die Folgen reichen von verschleppten Erkrankungen über erhöhte Fehlerraten bis zu massiven Produktivitätsverlusten und Kosten, die die durch Absentismus weit übertreffen. Als Arbeitgeber tragen Sie die Verantwortung, eine Kultur zu schaffen, in der Mitarbeiter bei Krankheit zu Hause bleiben können, ohne Nachteile zu befürchten. Investieren Sie vermehrt in Prävention, Aufklärung und ein gelebtes betriebliches Gesundheitsmanagement. So schützen Sie nicht nur die Gesundheit Ihrer Beschäftigten, sondern auch Ihre Produktivität und Ihr Budget.
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