Immer mehr Menschen gehen früher in Rente
Übergabe an die Jüngeren? In Deutschland nutzen viele Arbeitnehmer die Möglichkeit, früher in Rente zu gehen. Das hat Folgen. Foto: Adobestock
Die aktuelle Gesetzeslage macht die Entscheidung leicht, erhöht aber den Druck auf Sozialsysteme und Arbeitsmarkt.
Von Annett Kschieschan
Mit 66 Jahren in Rente – das trifft auf immer weniger Arbeitnehmer zu. Wie das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) informiert, bezogen nur 37 Prozent der Menschen, die 2025 das gesetzlich festgelegte Rentenalter erreicht hatten, auch erst ab diesem Zeitpunkt Rente, Mehr als die Hälfte des Jahrgangs war bereits vorzeitig in den Ruhestand gegangen – immerhin 27 Prozent nach mindestens 45 Versicherungsjahren und ohne Abschläge, weitere 18 Prozent mit Abschlägen. Sieben Prozent wurden aufgrund einer Schwerbehinderung vorzeitig Rentner. Sechs Prozent wechselten mit Erreichen des gesetzlichen Rentenalters vom Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente in die Altersrente. Dazu kamen 1,1 Millionen Menschen der Jahrgänge 1960 bis 1963, die 2025 aus dem Berufsleben ausgestiegen sind, obwohl sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hatten.
Arbeitskräfte werden dringend gebraucht
“Das Rentenrecht macht den vorzeitigen Ausstieg attraktiv. Wer 45 Versicherungsjahre erreicht hat, kann zwei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze ohne Abschläge aufhören. Wer 35 Jahre versichert war, darf ab 63 mit Abschlägen gehen. Seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023 nutzen aber immer mehr Menschen die Möglichkeit, danach unbegrenzt zur Rente hinzuzuverdienen”, heißt es in einer Begründung des IW. Weil dadurch auch der Druck auf die Sozialsysteme steigt, hat Alterssicherungskommission hat empfohlen, die abschlagsfreie Frührente nach 45 Versicherungsjahren zu streichen und das Zugangsalter für langjährig Versicherte von 63 auf 64 Jahre anzuheben. „Entscheidend ist jetzt, nicht noch mehr Arbeitskräfte vorzeitig gehen zu lassen, die Deutschland dringend braucht. Ohne die Einschränkungen bei der Frührente setzt sich die jüngste wirtschaftliche Krise in den nächsten Jahren fort“, so IW-Arbeitsmarktexpertin Stefanie Seele in der Auswertung, für die der Rentenversicherungsbestand in der Vollerhebung zum Stichtag 31.12.2025 für Deutschland ausgewertet worden war.