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Wer rettet den Betrieb von nebenan?

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist zurzeit besonders schwer. Doch in Sachsen gibt es dafür auch positive Beispiele. Symbolfoto: Adobestock

Bis 2030 werden in Sachsen jedes Jahr rund 1.500 Unternehmen einen Nachfolger suchen – viele vergeblich. Der Wettbewerb um den “Sächsischen Meilenstein” zeigt positive Beispiele für Firmen, die mit neuem Schwung durchstarten und so Jobs erhalten und schaffen.

Von Annett Kschieschan

Geht es um Stellenabbau, stehen meistens die großen Unternehmen im Fokus. Wenn ein Betrieb mit hunderten Mitarbeitern schließt oder Teile seiner Produktion einstellt, sind viele Menschen betroffen. Wenn der Bäcker um die Ecke, der Optiker in der benachbarten Kleinstadt, der Elektromeister des Vertrauens die Ladentür zum letzten Mal zuschließen, erzeugt das in der Regel keine große Aufmerksamkeit. Dabei verlieren vor allem ländliche Regionen so nicht nur schleichend an Wirtschaftskraft im Kleinen, sondern auch an Attraktivität für Zuzügler und Rückkehrer. In vielen Fällen hätten die Inhaber solcher Betriebe ihr berufliches Lebenswerk gern weitergegeben – fanden aber keinen Nachfolger für ihren Betrieb.

Neun gute Beispiele aus Ostsachsen

Ein Gutachten des Sächsischen Wirtschaftsministeriums verweist darauf, dass im Freistaat bis 2030 jährlich 1.500 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Aber wie kann der Wechsel zur nächsten Generation gelingen? Hier kommt der Sächsische Meilenstein ins Spiel. Schon seit 2011 würdigt die Initiative der Bürgschaftsbank jedes Jahr gelungene Beispiele für Firmennachfolgen. Gerade erst wurden die Nominierten für den Raum Dresden und Ostsachsen gekürt. 76 Unternehmen hatten sich beworben – neun schafften es am Ende in die engere Auswahl. Dabei unterscheidet der Wettbewerb zwischen drei Kategorien. Bei der „familieninternen Nachfolge“ konnten die Bäckerei Claus GmbH aus Coswig, die Dresdner Rahmenwerkstatt und die SHZ Sächsische Hebe- und Zurrtechnik GmbH aus Großröhrsdorf überzeugen. Als besonders gelungene Beispiele für die „unternehmensinterne Nachfolge“ nominierte die Fachjury das Berghotel Augustusberg aus Bad Gottleuba-Berggießhübel, den Herrenausstatter Prüssing & Köll aus Dresden und die Vavona GmbH aus Radeburg für den Preis. Bei der „unternehmensexternen Nachfolge“ hatten Klockau Optik aus Bautzen, die Ostsächsische Gummiwerk Polenz GmbH aus Neustadt und der Schließanlagenservice Leonhardt Houselock aus Pulsnitz die Nasen vorn.

Preisverleihung auf Schloss Albrechtsberg

Die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer Dresden waren an der Auswahl der Unternehmen beteiligt. Sie wissen, wie akut das Thema Unternehmensnachfolge ist. „Der Erhalt von Arbeitsplätzen durch eine Nachfolge in den Unternehmen ist mehr als ein Generationenwechsel. Es geht um unsere Wirtschaftsregion und um die Fortführung der erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung seit 1990“, sagt etwa Christian Doerr, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Dresden. Er ist ebenso wie Andreas Brzezinski, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Mitglied des Verwaltungsrats der Bürgschaftsbank Sachsen.

Schirmherr des Wettbewerbs ist der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter. In seinem Beisein werden die finalen Preisträgerinnen und Preisträger am 3. November auf Schloss Albrechtsberg in Dresden ausgezeichnet. Die Sieger erwarten Preisgelder in Höhe von insgesamt 17.000 Euro, ein filmisches Portrait und Unterstützung bei der eigenen öffentlichen Sichtbarkeit. Dazu kommt das gute Gefühl, eine oft jahrzehntelange Unternehmenstradition fortführen zu können, so Jobs zu erhalten und Perspektiven für den Nachwuchs zu schaffen.

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