So gelingt das Job-Match

Wer ist das perfekte Match für die freie Stelle? Nicht jeder Bewerber erfüllt von Anfang an alle Anforderungen - und kann dennoch der Beste für den Job sein. Foto: Adobestock

Nicht immer passen die eigenen Qualifikationen zum gewünschten Traumjob. Das muss kein Hinderungsgrund für eine Bewerbung sein. Manchmal führen auch Umwege zum Ziel. Gerade in bewegten Zeiten wie diesen.

Das langersehnte Praktikum in der bekannten Werbeagentur, das Volontariat bei einem deutschlandweiten Nachrichtenmagazin, die Trainee-Stelle bei einem renommierten IT-Unternehmen – drei Wünsche, die exemplarisch für Traumziele vieler Berufseinsteiger stehen. Noch vor einigen Jahren wären sie für viele junge Leute Träume geblieben. Die Konkurrenz war groß, die Zahl der freien Stellen eher nicht. Das ist heute anders. Fachkräfte fehlen überall, auch aussichtsreiche Stellen bleiben lange unbesetzt. Was ein Problem für Unternehmen ist, versetzt Bewerber in die Lage, ihre Wunschkarriere doch noch anzugehen. Das gilt nicht nur für Berufsanfänger. Wechselwillige hatten selten so gute Chancen wie gegenwärtig. Selbst dann, wenn ihre Qualifikationen nicht zu hundert Prozent zur ausgeschriebenen Stelle passen. Das legt eine Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Personaldienstleister Hays nahe.

Kompromisse im Personalbüro

Experten haben die Passgenauigkeit von Stellenanforderungen und Bewerbungen in 279 Berufen untersucht. Das wichtigste Ergebnis: Profile und Stellenausschreibungen bilden immer seltener ein Match. Vor allem bei jüngeren Bewerberinnen und Bewerbern ist das der Fall.

Die Gründe dafür liegen zum großen Teil in der Transformation der Arbeitswelt. In vielen Branchen sind in den vergangenen Jahren neue Berufsbilder entstanden, die sich mit alten Stellenbeschreibungen nur teilweise abdecken lassen. Die hohe Wechselbereitschaft vieler Angestellter sorgt zudem für eine größere Fluktuation in vielen Unternehmen. Um frei gewordene Stellen möglichst schnell wieder besetzen zu können, machen Personalverantwortliche heute eher Kompromisse. Das kann jenen potenziellen Bewerbern Mut machen, die sich bisher nicht getraut haben, für ihren Traumjob vorzusprechen, weil ihnen ein oder zwei der geforderten Qualifikationen fehlen. Vielfach können diese jedoch auch berufsbegleitend erworben werden. Firmen, die Bewerbern die Chance dazu geben, werden oft mit viel Engagement und Loyalität belohnt.

Experten raten dennoch, vor der Bewerbung zu prüfen, ob man sich den Job tatsächlich zutraut. Fehlen auch Grundlagenkenntnisse, die nicht so schnell aufgeholt werden können, dürfte der Start schwierig werden. In diesem Fall lohnt es eher, sich langfristig mit einer entsprechenden Weiterbildung auf die neue Herausforderung vorzubereiten.

Das eigene Profil kritisch prüfen

Genauso wichtig wie die Anforderungen der Unternehmen sind die eigenen Ansprüche an eine Arbeitsstelle. Will man im Homeoffice – zumindest aber hybrid – arbeiten? Wie wichtig sind Gleitzeit und generell flexible Arbeitszeitmodelle für die eigene Lebensplanung? Ist man bereit, für einen Job umzuziehen, zu reisen oder in Schichten zu arbeiten? Nach dem Ausschlussprinzip lässt sich hier meistens sehr schnell feststellen, ob eine Bewerbung Sinn macht, selbst dann, wenn man den Job per se als attraktiv empfindet.

Manchmal lassen Stellenanzeigen Fragen offen. In diesem Fall sind Rückmeldungen nicht nur erlaubt, sondern überaus sinnvoll. Meist lassen sich Unklarheiten durch eine Mail oder einen Anruf klären – das erspart im Zweifel beiden Seiten ein aufwendiges Bewerbungsprozedere.

Inzwischen vielfach sogar erwünscht ist, dass Bewerber von sich aus Fähigkeiten und Qualifikationen ins Spiel bringen, die für den ausgeschriebenen Job nicht unmittelbar gefordert werden. Manchmal können sie der ausschlaggebende Punkt sein, wenn es darum geht, einen eigentlich nicht ganz passenden Bewerber doch einzustellen. Zum Beispiel, weil er unaufgefordert mitgeteilt hat, dass er gerade Spanisch lernt, und das Unternehmen gerade plant, eine Niederlassung in Barcelona zu eröffnen. Auch so genannte weiche Faktoren wie Teamfähigkeit oder gute und schnelle Kommunikation werden immer wichtiger. Oft wird schließlich nicht nur der beste Kandidat für eine Stelle, sondern auch ein passendes neues Teammitglied gesucht.

Die aktuelle Entwicklung auf dem Stellenmarkt ist – den Krisenlagen zum Trotz – immer noch chancenreich. Das gilt explizit auch für Bewerber mit nicht ganz so geradem Karriereweg oder Lücken im Lebenslauf. Die vielzitierte Chance in der Krise – sie kann auch so aussehen.

Von Annett Kschieschan