Sachsen hat höchste Erwerbsquote bei Frauen
Frauen werden für die gleiche Arbeit oft schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Das ist auch 2026 noch Realität. Foto: Adobestock
Berufstätig zu sein, ist für die meisten Frauen im Freistaat selbstverständlich. Doch viele arbeiten in Teilzeit. Auch Lohn-Ungerechtigkeit bleibt ein Thema.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das ist auch im Jahr 2026 nicht die Regel. Frauen erhalten im Durchschnitt oft weniger Geld als Männer. Dieses sogenannte Gender Pay Gap, die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern, war erst jüngst wieder Thema. Der Equal Pay Day, der am 27. Februar stattfand, rückt die Ungerechtigkeit auf dem Lohnkonto in den Fokus. Die schlechte Nachricht: Auch in Sachsen ist der Gender Pay Gap Realität. Nach Information der Arbeitsagentur beträgt er derzeit sechs Prozent, wobei die Unterschiede je nach Region deutlich ausfallen – die Bandbreite reicht von1,3 bis elf Prozent. Die gute Nachricht: Im Bundesvergleich steht Sachsen besser da als der Durchschnitt. Bei der Erwerbstätigkeit von Frauen führt der Freistaat die Statistik sogar an.
Teilzeit bleibt ein großes Thema
Knapp 65 Prozent der Frauen hierzulande haben einen sozialversicherungspflichtigen Job. Bundesweit sind es im Schnitt fünf Prozent weniger. Die meisten Frauen arbeiten in den Landkreisen Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge und im Erzgebirgskreis. In Leipzig, Chemnitz und im Landkreis Görlitz ist ihre Zahl am niedrigsten. „In Sachsen liegt die Beschäftigungsquote der Frauen bundesweit am höchsten. Ein Grund für die hohe Beschäftigungsquote im Vergleich zu den anderen Regionen liegt vor allem an der traditionell hohen Erwerbsneigung der Frauen in Sachsen“, so Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen.
Allerdings: Auch in Sachsen arbeiten viele Frauen in Teilzeit und seltener in Führungspositionen, wobei der Anteil hier mit 33 Prozent in der ersten und 44 Prozent in der zweiten Führungsebene ebenfalls höher als im bundesweiten Durchschnitt ist. Der häufigste Grund sind Hürden bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Oft hoch qualifiziert
Dabei sind die rund 775.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Sachsen sehr gut qualifiziert. Etwa 93 Prozent von ihnen haben einen allgemeinen oder einen akademischen Berufsabschluss. Viele arbeiten in Dienstleistungsberufen – oft aber eben mit reduzierter Stundenzahl.
In den sächsischen Arbeitsagenturen nehme man das Thema Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ernst. So informieren spezielle Beraterinnen und Berater zu Fragen der beruflichen Ausbildung, Qualifizierungsmöglichkeiten, des beruflichen Einstiegs und Aufstiegs von Frauen und des Wiedereinstiegs von Frauen nach einer Familienphase. Sie unterstützen zudem Unternehmen, „um individuelle Wege der Beschäftigung von Frauen zu schaffen“, heißt es weiter. Dass diese auch adäquat bezahlt sein muss, ist ein Anspruch, der nicht nur rund um den Equal Pay Day Thema sein darf.
Von Annett Kschieschan