Wie viele Krankheitstage sind normal? Fakten zu Fehltagen in Deutschland
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Der Krankenstand ist nicht nur in Deutschland ein viel diskutiertes Thema. Die Anzahl der Krankheitstage von Beschäftigten beeinflusst die Produktivität der Wirtschaft und wirkt sich auf einzelne Unternehmen aus, etwa durch höhere Kosten oder Herausforderungen im Arbeitsalltag. Auch das Gesundheitssystem bleibt davon nicht unberührt. Steigen die Ausfallzahlen, können auch die Kosten der Krankenkassen und damit die Beiträge der Versicherten steigen.
Wir zeigen auf, wie sich der Krankenstand in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat, wie Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union dasteht und welche Ursachen Krankschreibungen besonders häufig haben.
Entwicklung des Krankenstandes in Deutschland
Der Krankenstand in Deutschland hat sich in den letzten Jahren zumindest statistisch deutlich verändert. Zwischen den Jahren 2014 und 2019 lag die durchschnittliche Zahl der Krankheitstage pro Beschäftigtem bei etwa 9 bis 11 Tagen im Jahr. Mit der Corona-Pandemie stiegen die Fehltage aber deutlich an: Besonders die Jahre 2022 und 2023 erreichten mit rund 15 Krankheitstagen einen Höchststand, unter anderem durch starke Erkältungs- und Grippewellen. Außerdem wurde 2023 die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) eingeführt, mit der die Krankmeldungen vollständiger erfasst werden als zuvor.
In den Jahren 2024 und 2025 zeigt sich aber bereits ein leichter Rückgang des Krankenstands in Deutschland. Insgesamt liegen die Fehlzeiten zwar immer noch über dem Niveau der Jahre vor der Pandemie. Der Anstieg erklärt sich jedoch nicht nur durch Erkrankungen, sondern auch durch gesellschaftliche Entwicklungen und eine genauere statistische Erfassungsmethode.
Häufigste Ursachen für eine Krankschreibung
Die Auswertung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zeigt, dass bestimmte Erkrankungen besonders häufig zu Krankmeldungen führen. Einen großen Anteil machen dabei akute Infektionskrankheiten aus:
- Erkältungen (verursachen meist nur wenige Krankheitstage)
- Grippe (führt zu längeren Ausfallzeiten)
- Bronchitis (Genesung benötigt meist mehrere Tage)
- COVID-19 (je nach Schwere der Erkrankung mehrere Tage bis Wochen)
Ebenfalls häufig sind Arbeitsunfähigkeiten aufgrund von Muskel- oder Knochenerkrankungen, wie:
- Rückenbeschwerden (kurze bis wochenlange Ausfälle)
- Nacken- und Schulterverspannungen (oft nur wenige Krankheitstage)
- Gelenkentzündungen (können sowohl wenige Tage dauern als auch chronisch werden)
Einige dieser Beschwerden können sich über einen längeren Zeitraum ziehen und zu langen Krankschreibungen führen. Wenn die Anzahl der Krankheitstage die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers überschreitet, übernimmt in diesen Fällen die Krankenkasse die Zahlung von Krankengeld.
Außerdem stieg in den letzten Jahren der Anteil psychischer Erkrankungen, dazu gehören unter anderem:
- Depressionen
- Angststörungen
- Burnout und Erschöpfungszustände
- Anpassungsstörungen
Eine Krankschreibung aus den genannten Gründen führt häufig zu einer langen Fehlzeit, da die Behandlung und Erholung meist mehr Zeit erfordern.
Darüber hinaus können auch Unfälle, zum Beispiel bei der Arbeit, auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit, zu längeren Krankheitsausfällen führen. Ebenfalls tragen chronische und körperliche Erkrankungen zur Arbeitsunfähigkeit bei:
- Herz- und Kreislauferkrankungen
- Magen-Darm-Erkrankungen
- Krebserkrankungen
- Diabetes und Autoimmunerkrankungen
- neurologische Erkrankungen
Kündigung wegen Erkrankung
Arbeitnehmer in Deutschland sind in der glücklichen Lage, dass sie durch das Arbeitsrecht und das Kündigungsschutzgesetz vor einer Kündigung aufgrund von Krankheit weitgehend geschützt sind. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich: Arbeitgeber müssen nachweisen, dass die Erkrankung zu erheblichen betrieblichen Problemen führt oder dem Unternehmen auf Dauer nicht zugemutet werden kann.
Welche Folgen haben krankheitsbedingter Fehltage auf die Wirtschaft?
Für Unternehmen können durch krankheitsbedingte Fehltage erhebliche Kosten entstehen. Bei einer Krankschreibung zahlen Arbeitgeber bis zu sechs Wochen das volle Gehalt. Erst danach übernimmt die gesetzliche Krankenkasse mit dem Krankengeld die Zahlung. Statistiken zeigen, dass die durchschnittlich 14,6 Fehltage pro Mitarbeiter im Jahr 2025 einen wirtschaftlichen Verlust in Milliardenhöhe verursacht haben.
Außerdem kommen organisatorische Belastungen hinzu. Für Fachkräfte, die krankheitsbedingt ausfallen, müssen Aufgaben umverteilt oder kurzfristig Ersatz beschafft werden. Manchmal müssen Kollegen sogar zusätzliche Arbeit und Überstunden leisten. Diese Ausfälle sind vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen deutlich spürbar.
Auswirkungen auf die Krankenkassen
Arztbesuche, Medikamente, Therapien und Aufenthalte im Krankenhaus belasten die Krankenkassen finanziell. Die Höhe der Kosten hängt von der Häufigkeit dieser Leistungen und von der Länge des Krankenstandes ab. Erhöht werden diese Belastungen, wenn die Krankschreibung die sechs Wochen Lohnfortzahlung überschreitet. In diesem Fall muss die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld zahlen, das etwa 70 Prozent des Bruttogehalts oder maximal 90 Prozent des Nettogehalts beträgt.
Außerdem entstehen ein höherer Verwaltungsaufwand und Personalkosten, weil Krankenkassen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen prüfen müssen. Maßnahmen für Prävention und Rehabilitation verursachen ebenfalls zusätzliche Kosten. Diese Ausgaben wirken sich auf die Finanzierung der Krankenkassen und damit auf die Beitragssätze für die einzelnen versicherten Arbeitnehmer aus.
Auswirkungen auf die Gesellschaft
Längere Ausfälle durch Krankheit beeinflussen auch den Arbeitsalltag im Unternehmen. Wenn Mitarbeiter krank sind, führt das in den meisten Fällen zu einer Mehrbelastung der Kollegen. Durch die erhöhte Arbeitsbelastung steigt der Stress und erhöht das Risiko für Konflikte im betroffenen Arbeitsbereich. Das hat einen negativen Einfluss auf das allgemeine Betriebsklima.
Lange Krankheiten können auch im privaten Umfeld zu Belastungen führen. Häufig müssen Familienangehörige die Pflege des Kranken übernehmen, wodurch weniger Zeit für andere familiäre Verpflichtungen bleiben, wie etwa Kinderbetreuung oder die Pflege älterer Familienmitglieder.
Zudem zeigen hohe Krankenstände mögliche Mängel bei der Präventionsarbeit, der Gesundheitsförderung oder bei den Arbeitsbedingungen im Unternehmen. Hier sind nicht nur Maßnahmen von Arbeitgebern gefragt, sondern auch von Krankenkassen, Betriebsärzten und Bundesbehörden, um die Gesundheit der Beschäftigten zu stärken.
Der Krankenstand in Deutschland im EU-Vergleich
Um den Krankenstand in Deutschland mit anderen Ländern der EU zu vergleichen, ist es wichtig zu wissen, wie viele Beschäftigte in den jeweiligen Ländern arbeiten und wie hoch die Zahl der Arbeitslosen ist. In Deutschland arbeiten derzeit rund 42,5 Millionen Menschen, im Rest der EU etwa 214 Millionen. Die Beschäftigungsquote in Deutschland liegt bei 77,2 Prozent und im EU-Durchschnitt bei 75,8 Prozent. Gleichzeitig gehört Deutschland mit einer Arbeitslosenquote von etwa 3 bis 4 Prozent zu den Ländern mit vergleichsweise niedriger Arbeitslosigkeit.
Zum Vergleich der Krankentage in Deutschland mit anderen EU-Ländern dienen Statistiken der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Diese Statistiken belegen, dass Deutschland bei der Auswertung der Krankentage im oberen Mittelfeld der EU liegt. Der durchschnittliche Arbeitszeitverlust durch Krankheiten in Deutschland beträgt etwa 6,8 Prozent.
Gleichwertige Zahlen haben Länder wie Belgien mit 6,7 Prozent und Schweden mit 6,6 Prozent. An der Spitze liegen Norwegen mit 10,7 Prozent, Finnland mit 10 Prozent und Slowenien mit 9,2 Prozent. Die niedrigsten Werte weisen Ungarn mit 2 Prozent, Malta mit 1,6 Prozent und Bulgarien mit 0,6 Prozent auf.
Allerdings ist bei solchen Vergleichen Vorsicht geboten: Die Länder unterscheiden sich bei der Erfassung von Krankmeldungen, bei der Regelung zur Lohnfortzahlung und beim Krankengeldsystem. Dadurch können die Zahlen nur eingeschränkt miteinander verglichen werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich der durchschnittliche Arbeitszeitverlust durch Krankheit in Deutschland mit 6,8 Prozent im mittleren Bereich der EU-Länder bewegt. In der restlichen EU liegt der Wert zwischen 0,6 und 10,7 Prozent.
Fazit
Der Krankenstand in Deutschland liegt im europäischen Vergleich also leicht über dem Durchschnitt. Wichtiger ist jedoch, dass krankheitsbedingte Fehltage negative Auswirkungen auf Arbeitnehmer, Unternehmen, Krankenkassen und die Gesellschaft haben. Deshalb sollten Gesundheitsförderung und gute Arbeitsbedingungen eine hohe Priorität haben, um Erkrankungen vorzubeugen und den Krankenstand zu senken.