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Job-News
Sächsische Zeitung Samstag, 19. Juni 2010

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Pia Leumer aus Freital will hoch hinaus. Sie hat das Fachabitur in der Tasche und will nun noch den Führerschein machen – nicht fürs Auto, sondern den Europäischen Unternehmerführerschein. Foto: Robert Michael
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Auf der Karriereleiter
Lars Rischke
Pia Leumer macht den EU-Unternehmerführerschein – ein Modellprojekt in Sachsen.
Was versteht man eigentlich unter Kaufkraft? Wann kommt es zur Inflation? Und welche Unternehmensformen gibt es? Pia Leumer hat mit solchen Fragen keine Schwierigkeiten. Denn die junge Frau hat gerade ihr Fachabitur in Freital absolviert – in der Richtung Wirtschaft. Obendrein erwirbt sie dort auch noch den Unternehmerführerschein.
Dabei handelt es sich um ein europaweit anerkanntes Zertifikat, das an einigen Schulen in Sachsen erworben werden kann. Wie beim richtigen Führerschein muss man jede Menge Theorie büffeln. Allerdings geht es nicht um die Vorfahrt an gleichrangigen Kreuzungen oder den Bremsweg bei nasser Fahrbahn. In mehreren Stunden werden den Schülern – meist in Arbeitsgemeinschaften nach dem Unterricht – grundlegende betriebs- und volkswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt.
Angebot an sechs Schulzentren
Dabei geht es beispielsweise um den Mechanismus von Angebot und Nachfrage, um die Stabilität der Währung und um die Frage, was eigentlich das Bruttoinlandsprodukt ist. Es geht daneben auch um die verschiedenen Unternehmensformen, Investitionen und das Thema Wirtschaftlichkeit. Pia Leumer hat eine erste Prüfung geschafft. „Für mich war das nicht allzu schwer“, räumt die 20-Jährige ein. „Wirtschaft ist spannend. Mich interessiert das halt.“
Insgesamt gibt es derzeit im ehemaligen Regierungsbezirk Dresden an sechs beruflichen Schulzentren und beruflichen Gymnasien die Möglichkeit, den Schein zu erwerben. Dabei sind Schulen in Görlitz, Riesa und Freital. Das entsprechende Modellprojekt, das von Sächsischer Aufbaubank und der Agentur für Arbeit gefördert wird, startete im April. Rund 370 Jugendliche meldeten sich bislang an.
Abschluss mit Zertifikat
Koordiniert wird das Ganze von dem privaten sächsischen Bildungsträger Akate Agricola-Institut. Projektverantwortliche Gerlind Wegner sagt, „es geht darum, die jungen Leute mit unternehmerischem Denken vertraut zu machen.“ Manches werde zwar im Unterricht angesprochen, häufig fehle aber für weitergehende Fragen die Zeit. Meist sind es interessierte Lehrer mit entsprechenden Vorkenntnissen, die nach dem Unterricht den jugendlichen Interessenten die Welt der Wirtschaft erklären. Neben einem Grundlagenmodul gibt es eines für Volkswirtschaft und eines für Betriebswirtschaft. Jeweils im Anschluss gibt es ein Zertifikat. Vorausgesetzt, man kann bei den Prüfungen jeweils mehr als die Hälfte der Fragen richtig beantworten.
Im Nachbarland Österreich gibt es den Unternehmerführerschein schon seit geraumer Zeit. Und auch in Berlin haben ihn inzwischen bereits ein paar Tausend Jugendliche erworben.
Gut für die Bewerbung
Wegner sagt, die Zusatzqualifikation könne nicht zuletzt bei einer späteren Bewerbung hilfreich sein. Immerhin zeige sie den Personalchefs, dass sich der Bewerber für wirtschaftliche Fragen wirklich interessiere. Und zudemdass er zudem bereit sei, sich zusätzlich zum üblichen Pensum auf den Hosenboden zu setzen.
Ein weiteres Modellprojekt startete in der Region Zwickau an einigen Mittelschulen im Rahmen der Neigungskurse. Dort soll mit dem Angebot das im Fach Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft erworbene Wissen weiter ergänzt und vertieft werden. Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es an den sächsischen Schulen mehr als 350 Projekte zur Berufs- und Studienorientierung, um die Schüler auf das spätere Berufsleben vorzubereiten.
Interesse für Wirtschaft wecken
„Der Europäische Unternehmerführerschein erweitert diese Angebote und trägt dazu bei, das Interesse der Schüler für die Wirtschaft zu wecken“, sagt der sächsische Kultusminister Roland Wöller (CDU). Eine flächendeckende Einführung allerdings ist bislang im Freistaat nicht geplant.
Das Ministerium verweist dabei darauf, dass viele Schulen bereits eigene Projekte zur Förderung des wirtschaftlichen Interesses in den Schulalltag integriert hätten.
Vertrag schon in der Tasche
Pia Leumer will nach ihrem bestandenen Wirtschafts-Abi eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel in Dresden beginnen. Den Vertrag hat sie schon in der Tasche. Ein Studium reizt sie vorerst nicht. „Erst einmal will ich einen Beruf erlernen und Geld verdienen“, sagt sie.
Vielleicht werde sie sich später irgendwann mal selbstständig machen, fügt sie hinzu und lächelt. „Den Unternehmerführerschein habe ich ja schon.“
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