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Sächsische Zeitung
Samstag, 10. Juli 2010


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Reisen statt pauken: Selbst eine Backpacker-Tour lässt sich den Eltern als Investition in die Zukunft verkaufen. Foto: dpa 


Wie sage ich’s meinen Eltern?
Von Carina Frey

Zukunft - Nach dem Abi gibt es oft Stress mit den Eltern. Die klassischen Konflikte.

Du träumst von einer Rucksack-Reise nach dem Abi – Deine Eltern wollen Dich schleunigst an der Uni im BWL-Studium sehen. Wenn es um Deine Zukunft geht, haben Eltern manchmal ganz eigene Vorstellungen. Klar kannst Du dann sagen: „Ist mir doch egal, was meine Eltern wollen!“ Doch ohne Finanzspritze sind Studium oder Ausbildung eine doppelte Herausforderung. Und sich ständig für die eigene Berufswahl rechtfertigen zu müssen, kann auch nerven. Deshalb lohnt es sich, mit den Eltern die eigenen Pläne zu diskutieren.

Dabei gilt: Je früher Du das Thema ansprichst, desto mehr Zeit bleibt, Deine Eltern zu überzeugen. Und wer gut argumentiert, hat schon halb gewonnen. Einige klassische Konflikte im Überblick:

REISEN STATT LERNEN:

Du willst nach dem Schulabschluss reisen – Deine Eltern wünschen aber, dass Du schnell mit der Ausbildung beginnst. „Ich würde den Eltern frühzeitig sagen, was ich vorhabe“, sagt Ulrike Weißhaupt, die bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth Jugendliche online berät. Sie empfiehlt, den Eltern einen Plan vorzulegen.

Wenn Du also sagen kannst: Ich will durch die USA reisen, weil ich später ein Fach studiere, in dem Englisch gesprochen wird, hast Du gute Argumente. Doch auch der Backpacker-Trip durch Vietnam lässt sich begründen: „Man muss in einer Fremdsprache klarkommen, wird selbstständiger und sicherer, was man will“, sagt Weißhaupt. „Man lernt mit schwierigen Situationen klarzukommen, sammelt praktische Erfahrungen“, fügt Prof. Carmen Spiegel hinzu, eine Gesprächsforscherin von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

AUSBILDUNG STATT STUDIUM:

Die Eltern möchten, dass Du studiert. Du hast aber keinen Bock mehr auf Kopfarbeit und willst eine Ausbildung machen. Das kannst Du den Eltern Spiegel zufolge so sagen: „Ich möchte erstmal was Praktisches machen – und vielleicht hänge ich noch ein Studium dran.“ Manchmal wird eine Ausbildung im Studium anerkannt.

AFRIKANISTIK STATT JURA:

Die Eltern sehen Dich in ihren Träumen als Anwalt, Du hast aber mehr Lust, Kulturwissenschaften oder Sport zu studieren. „So eine Entscheidung sollte man gut begründen können“, sagt Elke Mittag, Studienberaterin an der Universität Hannover. Schließlich musst Du damit rechnen, in der Zukunft immer wieder gefragt zu werden: „Was willst Du denn damit?“ Persönliche Leidenschaft müsse da sein, so Weißhaupt, „und ein Plan, was ich damit machen will.“ Deswegen ist es gut, wenn Du den Eltern zeigen kannst, dass Dich das Thema schon lange interessiert.

Elke Mittag rät, ein Jahr vor dem Abi anzufangen, über das Studienfach nachzudenken. Dann könne man in den Herbstferien an einer Uni verschiedene Vorlesungen besuchen. Wer sich so früh informiert, kann seine Fächerwahl besser begründen. Es ist möglich, mit den Eltern einen Kompromiss zu treffen: Man besucht Jura- und Sport-Vorlesungen und macht sich von beidem ein Bild.

Ein anderer Kompromiss kann sein, das Wunschfach der Eltern ein oder zwei Semester auszuprobieren. „Dann ist vielleicht ein Jahr weg, aber das erste Jahr gilt als Orientierungsphase“, sagt Mittag. Oder Du macht es andersherum und probierst Dein Wunschfach aus. „Dann sollte ich durch Noten nachweisen können, dass ich gut bin.“ (dpa)

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