Job-News

Sächsische Zeitung
Samstag, 12. Juni 2010


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Sie haben es bereits geschafft. Jens Gubatz (l) und Karsten Hennig haben den Bohrtechniker-Abschluss in der Tasche. Auf dem Foto begutachten sie die Schaufeln eines Schaufelradbaggers während einer Exkursion in den Tagebau Welzow. Foto: BSZ Freiberg 


Mit Karte, Schaufel und Bohrer

Der zweite Beruf In Freiberg werden Geologie- und Bohrtechniker ausgebildet. Wer flexibel ist, hat gute Chancen auf einen Job.

Benjamin Melzer ist 25 Jahre alt und geht noch einmal zur Schule. Der gelernte CNC-Zerspanungsmechaniker arbeitete drei Jahre in seinem Beruf. Die Kühlschmiermittel, die eine Hautallergie auslösten, setzten ein berufliches Stoppzeichen. Auf der Suche nach einer Alternative ist er im Internet auf die Fachschule am Beruflichen Schulzentrum für Technik und Wirtschaft in Freiberg gestoßen. Geologietechniker und Bohrtechniker werden hier unter anderem ausgebildet. „Das könnte etwas für mich sein“, sagt der Marienberger. Er informierte sich umfassend am Freiberger Schulzentrum. „Ich habe mich 2009 für die Geologietechnik entschieden und es nicht bereut.“

Keine Männerdomäne

„Diese beiden Techniker-Ausbildungen an unserer Fachschule sind einmalig in Deutschland“, sagt Schulleiter Frank Wehrmeister. Vergleichbar ist diese Erwachsenenqualifizierung mit der Meisterausbildung im Handwerk. Wer sich hier bewirbt, muss einen Berufsabschluss haben und über Berufserfahrung verfügen. Bei den Bohrtechnikern kommt ein großer Teil aus dem Tiefbau. Ein bestimmter Beruf wird aber nicht verlangt. „Zerspanungsmechaniker, aber auch Köche, Friseure und Schornsteinfeger haben sich für eine Ausbildung in Geologietechnik entschieden“, sagt Christian Busch, Diplom-Geologe und Fachlehrer in diesem Bereich. Ob sich der Bewerber für die Ausbildung eignet, wird in Einzelgesprächen ermittelt. Die 20- bis 40-jährigen Fachschüler bringen praktische Erfahrungen und den Willen mit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Für Busch sind das die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Übrigens beide Berufe sind längst keine Männerdomäne mehr. Vor allem bei den „Geologen“ ist der Anteil an Frauen hoch.

Auffrischung in Mathe

Im fachübergreifenden Teil werden Grundlagen vermittelt, die für manche neu sind, für viele jedoch verschüttetes Grundwissen darstellen. Jenen, bei denen der Mathe-, Physik-, Deutsch- und Englischunterricht an der Schule zehn oder zwanzig Jahre zurückliegt, fällt der Start natürlich schwer. Im ersten Schuljahr wird das Wissen aufgefrischt. Erste Schritte gehen die Fachschüler auch in der Geologie- und in der Bohrtechnik. Mathematische Berechnungen spielen dabei eine besondere Rolle. Für die Geologie nennt Christian Busch Mineralogie, Gesteinskunde, Hydrogeologie und allgemeine Lagerstättenkunde beziehungsweise Altlastenuntersuchung als einige Schwerpunkte in der Ausbildung.

An der Freiberger Fachschule hat der praktische Teil einen hohen Stellenwert. Praktika mit Geländeübungen, Exkursionen und Kartierübungen stehen im Lehrprogramm. Benjamin Melzer beispielsweise hat im ersten Jahr Praktika in einem Baugrundinstitut und bei der Landestalsperrenverwaltung absolviert. Die Freiberger Bildungseinrichtung profitiert für den Unterricht und für Praxiseinsätze von der örtlichen Nähe beispielsweise der Bergakademie, des Sächsischen Oberbergamts und des Geokompetenzzentrums sowie vieler Ingenieurbüros und Firmen der einschlägigen Branchen.

Bohrtechniker arbeiten nach dem Abschluss vor allem in Bohrfirmen, seltener in Bergbaubetrieben, bei Energieversorgern oder in Ämtern. Für gute Chancen auf einen Job sind vor allem die anhaltende Nachfrage nach grabenlosem Verlegen von Kabeln und die in Mode gekommenen Bohrungen auf Erdwärme verantwortlich.

Geologische, geotechnische und umwelttechnische Ingenieurbüros sind häufige Arbeitgeber für Geologietechniker. Aber auch Behörden und Landesämter, Bergbaubetriebe und Hochschullabors beschäftigen bundesweit Geologietechniker. Zu ihren Aufgaben gehören Untersuchungen am Baugrund, bei Altlasten und Deponien sowie zur Grundwasserversorgung.

Absolventen können mit etwa 2000 bis 2500 Euro Gehalt im Monat rechnen.

In Konkurrenz zum Bachelor

Da diese Ausbildungen einmalig und sehr vielseitig sind, sollten sie einen Arbeitsplatz garantieren. Aber das ist doch nicht ganz so einfach. Die Techniker stehen heute in Konkurrenz zum Bachelor. Und in den beiden Fachrichtungen werden zwar Fachleute gesucht, aber nicht in Hülle und Fülle. „Wer flexibel ist und eine Nische findet, hat durchaus Aussichten auf einen Job“, sagt Christian Busch. Benjamin Melzer ist optimistisch: „Das Baugrundinstitut, an dem ich mein Praktikum gemacht habe, war mit mir zufrieden. Vielleicht klappt es dort mit einer Anstellung. Wenn nicht, suche ich bundesweit.“

Die vollzeitschulische Ausbildung ist für die Teilnehmer kostenlos. Allerdings verdienen sie in dieser Zeit kein Geld. „Für mich ist das kein großes Problem“, sagt Benjamin Melzer. „Drei Jahre habe ich vorher gearbeitet und etwas Geld gespart.“ Ansonsten bezieht der junge Mann ein Meisterbafög und arbeitet im Nebenjob in einem Baugrundinstitut.Gudrun Buhrig



Für das kommende Schuljahr ab August sind noch Plätze frei. Bis zu den Oktoberferien sind noch Neuaufnahmen möglich.



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